KSTARaffinierte Perspektiven verleihen einer Puppe Leben

AUSSTELLUNG
Drei Fotografen zeigen Arbeiten im Pulheimer Walzwerk
VON FRANK-UWE ORBONS

Pulheim. Bereits zum,,Projekt 8"hat Ed Werner mit seiner im Jahr 2001 gegründeten Kunstinitiative ,,Wir zeigen Kunst" (WzK) in die Richtbank im Pulheimer Walzwerk eingeladen. Dieses Mal stehen drei Fotografen im Zentrum einer Ausstellung. Wilfried Claus, einer der Aussteller, ist auch Mitbegründer des Konzepts, das historische Industriegebäude Walzwerk einer neuen Nutzung zuzuführen.
Die vergangenen zehn Jahre im Walzwerk hat Claus als fotografischer Dokumentarist und Theaterfotograf die hauseigenen Produktionen des ,,Theaters im Walzwerk" begleitet. Zu sehen sind eine kleine Auswahl und eine Komposition des Fotografen, die eine Modellpuppe mit Namen,,Yvette" im Spiegel ihrer selbst zeigt. Claus fotografiert raffinierte Bildperspektiven, die aus einer leblosen Puppe beinahe eine dramatische Theatralik herausholen.
Das Theater ist Thema vieler Fotografien, die Wilfried Claus derzeit im Pulheimer Walzwerk zeigt.
BILD:ORBONS

Seit den diesjährigen Kunsttagen in der Abtei Brauweiler hat sich einiges im Leben der Fotografin Roswitha Mecke verändert. Derzeit kommt die Kerpenerin kaum noch zur eigentlichen Arbeit. Seit August eilt sie von Ausstellung zu Ausstellung. In Brauweiler hat Ed Werner sie auch für die Pulheimer Schau engagiert. Seit 2009 arbeitet Mecke an ihrem Zyklus ,,Typen - Disguise", Figuren, die in den Tagträumen Meckes wohnen und sie auch manchmal nachts heimsuchen. Das jahrtausendealte, die Kunst beherrschende Spiel von Licht und Faltenwurf steht im Zentrum der Arbeiten, die mit Hilfe digitaler Fototechnik und aufwendiger Bearbeitung am Computer beinahe wie gemalte Stillleben wirken.
lndustriebrachen
Komplettiert wird die Präsentation durch die Beiträge des Kölner Fotografen Jochen Seelhammer. Schon im Frühjahr waren seine Arbeiten im Rahmen der Sammelausstellung des Künstlerkollektivs,,Kunstfirma" im Walz-werk zu sehen. Nun zeigte Seelhammer eine Auswahl fotografierter Industriebrachen. einen ,,Heimatzyklus" und ,,Zauberwald"-Bilder. Beim,,Heimatzyklus" fotografierte Seelhammer Köln-Mülheimer Ortsansichten als Verbindung von Alt und Neu.
Mit einer Kombination aus einer analog arbeitenden Mittelformatkamera und digitaler Technik, ergänzt durch eine durchstochene Alufolie, stellt er das Prinzip einer historischen Lochkamera nach. Herausgekommen sind leicht verschwommene Bilder, die aus einer fernen Zeit zu stammen scheinen.
Auch bei den Waldbildern aus Teneriffa ergänzt das Traditionelle die moderne Technik. Abgezogen wurden die Fotos auf einem nicht mehr hergestellten Barytpapier, das wie alte Postkarten aussieht und sich auch so anfühlt.

Die Ausstellung "Drei Künstler  - Drei Positionen" ist im Atelier Richtbank I im Walzwerk, Pulheim, Rommerskirchener Straße 21, bis 7. November zu sehen. Die Öffnungszeiten sind täglich von 15 bis 20 Uhr oder nach Vereinbarung.

KSTA vom 4.11.2010


KRSpiel mit Objekten und Motiven

Drei Fotokunstler stellen im Atelier des Pulheimer Walzwerks aus
Von DIETER WOLF

PULHEIM. "Drei Künstler -Drei Positionen" - so lautet der Titel einer, Ausstellung mit Fotoarbeiten im PuIheimer Walzwerk, zu dem das "Walzwerk Projekt 8" einlädt. Und tatsächlich sind die ,Positionen" von Roswitha Mecke, Wilfried Claus und Jochen Seelhammer recht unterschiedlich, wenngleich das Medium, die Fotografie, vordergründig eint.
Da fällt zunächst Roswitha Mecke auf. Die Fotografin aus Kerpen inszeniert ihre Darstellungen. ,Types in Disguise" sind geheimnisvolle, surreale Kompositionen. Ihre Types in Disguise, was so viel heißt wie versteckt, maskiert, verborgen, sind Anmutungen menschlicher Wesen. Doch als ,Gerüst" für ihre lebendig wirkenden Figuren dienen Schaufensterpuppen. Sie werden mit allerlei Beiwerk ausgestattet. Tücher, Hüte, Blumen, Alltagsgegenstände geben den Figuren menschliche Zige, wenngleich eines immer fehlt: Ein Gesicht.
Die dargestellten Objekte bekommen durch das Kompositorische malerische Züge, was dadurch begünstigt wird, dass ihre Aufnahmen auf Fotoleinwand aufgezogen wurden. Noch weiter geht sie in neueren Arbeiten, die sie „Vergängliches Denkmal“ nennt. Hier sind Pflanzen und Blumen zu figurativen Objekten aufgetürmt und abgelichtet.

Weitaus konventioneller wirken die Fotoarbeiten von Jochen Seelscheid. Auch der Kölner geht spielerisch mit dem sogenannten Geheimnisvollen um, fotografiert Wald und Naturszenen.

Kritischer Realismus

Doch was der Landschaftsfotografie zuzurechnen ist, gibt sich fragmentarisch, geradezu verschlüsselt. Befördert wird der Eindruck dadurch, dass sich Seelscheid hier auf klassische Schwarz-Weiß-Darstellung konzentriert. Anders dagegen seine „Industrieaufnahmen". Sie sind farbig, wenngleich das Dargestellte eher trist wirkt. Es handelt sich um Abbildungen verkommener Fabrik- und Verwaltungsgebäude. Mit plakativen Ausschnitten des Verfalls nähert er sich einem kritischen Realismus der Fotokunst.

Scheinbar ohne Botschaft arbeitet Wilfried Claus. Der in Pulheim lebende Künstler bildet Gebäudekomplexe des Walzwerks in Pulheim in geradezu dokumentarischer Strenge ab. Doch durch das Spiel mit Licht und Schatten von Innenräumen, eine offensiv eingesetzte Farbigkeit, das Zulassen eines Wolkenspiels bei Außenaufnahmen wie zum Beispiel von Dachansichten verleiht dem Abgebildeten etwas Unwirkliches, Überhöhtes.

Kunstvoll in Reinform sind dagegen Wilfried Claus' Theateraufnahmen. Sie sind geradezu klassisch komponiert, bannen Bewegung und Maske einer Szene auf das Fotopapier. Sie wirken kraftvoll und authentisch.

Die Fotoausstellung ,,Drei Künstler - Drei Positionen" ist bis zum 7. November im Walzwerk Atelier Richtbank l, Rommerskirchener Straße 21, in Pulheim zu besuchen. Öffnungszeiten täglich von 16 bis 20 Uhr.

Kölnische Rundschau vom 4.11.2010