Wollsocken als Puppen
Bulgarisches Duo „Two Hands" bot mit einfachen Mitteln tolles Figurentheater
von DIETER WOLF

PULHEIM. Das Gastspiel des Theaterduos „Two Hands" mit seiner Szenencollage „Merak" im Theater im Walzwerk war der angemessene Abschluss des kleinen Figurentheaterfestivals zum fünfjährigen Bestehen des Hauses.
Noch einmal freute sich Theaterleiterin Mecki Claus über ein volles Haus. Figurentheater für Erwachsene ist eben kein alltägliches Kulturereignis hier zu Lande, wie sie betonte. Was das Publikum am Schlusstag des Festivals noch einmal begeisterte, war das Künstlerpaar Maja und Vasco Svechtarow. Sie zeigten, dass es keiner aufwändigen Technik, keiner komplizierten Figuren bedarf, um Eindrücke beim Zuschauer hervorzurufen.
Mit schlichten Requisiten arbeiteten Maja und Vasco Svechtarow: Wollstrümpfe, Fi schernetze, Trommeln, Emailleschüsseln und Lichteffekte waren die immer wiederkehrenden Bestandteile ihrer Abfolge von Spielszenen. Mit diesen Materialien schufen sie Vögel oder Menschen, produzierten sie Lustiges wie Nachdenkliches, Romantisches wie Dynamisches.
Mit wenigen Handgriffen verwandelten die beiden Bulgaren beispielsweise Wollsocken in Knaben- oder Mädchenköpfe, banden fein gewobene Fischernetze unter archaische anmutende Forken, und fertig war eine Tanzgruppe. Zu eingespielter Tanzmusik aus dem Balkan wurden faszinierende Tanzszenen nachempfunden, die die Zuschauer zu spontanem Beifall trieben. Überhaupt ging das Publikum begeistert mit, sparte nicht mit Szenenapplaus. Lachen, erstauntes Raunen und Beifallsrufe hielten sich die Waage.
Mit ganzem Körpereinsatz arbeiteten die beiden schwarz gekleideten Puppenspieler mit ihren Figuren. In einer von Vokalen dominierten Kunstsprache unterstrichen sie ihr Tun, wurden selbst Teil ihrer Figurenkreationen. Sie tanzten, lachten, schimpften, gestikulierten. Diese komische Aktionen waren indes weit entfernt von jedem Anflug von Klamauk, waren immer Teil ihres romantisch-sensiblen Szenenspiels. Die Wirkung der Szenen wurde verdichtet durch verschiedene Musikeinspielungen: mal schmachtend klagende Klarinette, mal temporeich vorantreibendes Akkordeon.
Nach einer knappen Stunde war das Vergnügen vorbei. Zurück blieb ein erschöpftes, begeistertes Publikum. Noch minutenlang nach Ende der Vorstellung verharrte es, von den bunten Eindrücken überwältigt, auf den Sitzen. Kölnische Rundschau Rhein-Erft-Kreis vom 7. März 2006

Ein rauschendes Fest
VON DIETER WOLF, 06.03.06, 07:15h
PULHEIM.
Es war ein rauschendes Fest bis spät in die Nacht. Vor allem unzählige Künstler hatte Mecki Claus zur Feier des fünfjährigen Bestehens des Theaters im Walzwerk geladen. Und weil alle so froh und dankbar über diese mittlerweile weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Bühne des kleinen Theaters an der Rommerskirchener Straße waren, gabs reichlich Geschenke.
Neben Blumengebinden schenkten die Künstler Teile ihres Programms. So wurde der Freitagabend zu einer langen Nacht der Kleinkunst. Literatur, Musik, Cabaret, Comedy und Gesang beherrschten in stetem Wechsel den Theatersaal. Keine ergreifenden Reden wurden gehalten, keine Höflichkeitsadressen verteilt. Es war Herzlichkeit angesagt.
Viele Künstler genossen die Möglichkeit, einmal ihre Kollegen zu bewundern, wozu sonst kaum Gelegenheit besteht. Außerdem war der Abend ein repräsentativer Querschnitt durch die Programmvielfalt des Theaters im Walzwerk. Die Freude über dieses dichte Programm war denn so groß, dass sich mancher einen solch bunten Abend in jedem Jahr wünschte.
Aber auch die Gastgeberin musste oder durfte mehrmals am Abend auf die Bühne. Neben der Moderation profilierte sie sich am frühen Abend als „Eisbrecherin“. Von Sängerin Daniela Bosenius am Piano begleitet, schmetterte Mecki Claus ihre Eigenkomposition „Ich brauche das Walzwerk“ in den Saal. Doch der Vortrag war mehrfach durch mittlere Tränenausbrüche der Rührung unterbrochen, wenn sie zu einer bekannten Melodie sang: „Ich brauche Applaus in vollem Haus, ich brauche diese Bühne, ich brauche Pulheim.“
Nicht minder mitreißend waren die Beiträge von Künstlern wie Coco Camelle, Alice Esser, Angela Fischer, Daniela Bosenius, dem Comedy-Duo Seibel & Wohlenberg, den Tangospielern Fritz Behr und Jörg Fuhrmann oder Ariane von dem Bussche. Für außerordentliche Heiterkeit sorgte der Auftritt von Robin Denault, der seit langem mit seinem englisch gesprochenen Shakespeare-Programm, der ersten Eigenproduktion des Walzwerktheaters, Erfolge feiert. Er „zwang“ Mecki Claus zu einem gemeinsamen Sketsch, der, weil völlig unvorbereitet, bei den Darstellern wie beim Publikum schließlich in einer Lachorgie mündete. Kölnische Rundschau Rhein-Erft-Kreis vom 4. März 2006
http://www.rundschau-online.de/jkr/artikel.jsp?id=1141316673165

 

Erste Aufführung war Glanzlicht
VON DIETER WOLF, 04.03.06, 07:15h
PULHEIM.
Puppentheater für Erwachsene hat in Deutschland nicht viele Anhänger. Für Mecki Claus, Leiterin des Theater im Walzwerk, ist dies kein Grund, nicht doch Freude für dieses Genre zu wecken. Das Figurentheaterfestival ist der hartnäckige Versuch der engagierten Theaterfrau, diese Kunstform im Rhein-Erft-Kreis zu etablieren. Der fünfte Geburtstag ihres Theaters in der ehemaligen Fabrik Uebemann spricht auch für das Selbstbewusstsein von Mecki Claus, mit Qualität diese Kunstform durchzusetzen.
Gleich zum Auftakt des Festivals gab es in dieser Hinsicht einen Leckerbissen. „Der Barbier von Sevilla“, aufgeführt vom Berliner Kobalt Figurentheater, war ein erstes Glanzlicht des Minifestivals. Fragile Stockfiguren, witzige Dialoge und viele überraschende Details in Dramaturgie und Bühnenbild verzauberten das Publikum. Unter ihnen auch Bürgermeister Karl August Morisse, der in seinem Grußwort die Kreativität und Qualität des Theaters im Walzwerk lobte: „Aus dem Nichts heraus hat Mecki Claus ein Theater geschaffen, dessen Ruf weit in die Region hineinstrahlt. Ihr Ideenreichtum und Selbstbewusstsein war zunächst von vielen unterschätzt worden. Jetzt ist ihr Theater Synonym für ein qualitätsvolles Angebot für Jung und Alt.“ Das Stück „Der Barbier von Sevilla“ bündelte all diese von Bürgermeister Morisse formulierten Tugenden.
Erinnerungen an die Kindheit
Das Spielambiente mit seinen Stockfiguren versetzte die anwesenden Erwachsenen in idyllische Kindheitserinnerungen an Puppentheater, zugleich wurden sie mit einem populären Highlight der Theater-, beziehungsweise Opernklassik verwöhnt.
Das Spiel basierte auf dem von Pierre de Beaumarchais 1775 veröffentlichten Theaterstück. Natürlich kam die Musik des berühmten Komponisten Gioacchino Rossinis nicht zu kurz. Rossini hatte Jahre später diesen Stoff in eine Oper verwandelt, die aber erst viele Jahre später wirklich erfolgreich wurde. Unter der Regie von Dietmar Staskowiak waren nicht nur die Sprechstimmen Träger des Geschehens, sondern auch zwei Barockfagotte, Perkussion, Klavier und der Sopranistin Christine Oertel.
Mit tosendem Applaus, der sogar für einzelne Szenen während der Aufführung gespendet wurde, bekundete das Publikum im neuen Saal des Kultur- und Medienzentrums seine Begeisterung für Figurenspiel und Opernadaption aus.
Kölnische Rundschau Rhein-Erft-Kreis vom 4. März 2006
http://www.rundschau-online.de/jkr/artikel.jsp?id=1141316673013

 

Die Stars sind aus Holz und Stoff
VON BRITTA HAVLICEK, 03.03.06, 07:12h
Beim Figurentheaterfestival des Pulheimer Walzwerks lassen auch Silke Technau und Stephan Schlafke aus Berlin die Puppen tanzen.

Pulheim - Eine tiefe, brummende Stimme meldet sich zu Wort. „Ja. Der Herr Doktor Bartolo, das bin ich.“ Wallende Kleider umflattern den mächtigen Bauch des feinen Herrn. Sein Körper wippt elegant auf und ab. Ein abschätzender Blick, ein kurzes Nicken. Auf einmal fällt der feine Herr in sich zusammen. Denn Figurenspieler Stephan Schlafke hat seine Hand aus der vorwitzigen Puppe gezogen. Seine Partnerin Silke Technau schnappt sich eine grazile Puppe, die die schöne Rosina darstellt. Mit Hilfe von Stöcken lässt sie deren Arme anmutig hin und herschwingen.
Sobald die beiden Spieler des Figurentheaters „Kobalt“ aus Berlin die Puppen in den Händen halten, sind sie in ihrem Element. Zur Eröffnung des Figurentheater-Festivals des Pulheimer Walzwerks hatte Initiatorin Mecki Claus das Berliner Ehepaar mit seiner Inszenierung „Der Barbier von Sevilla“ eingeladen.
Mecki Claus ist selber Figurenspielerin. Und diese Akteure kennen sich untereinander. Denn Puppenspieler sind ein Völkchen für sich. Mehrere Figuren gleichzeitig spielen können, dabei immer wieder die Stimme verändern, den hölzernen Gestalten Leben einhauchen: das gehört zur Kunst des Puppenspielens. Im Gegensatz zu „normalen“ Theaterspielern ist dabei kein Platz für eine persönliche Selbstverwirklichung vor dem Publikum. Stephan Schlafke: „Man muss sich der Puppe unterwerfen, sie hat das Sagen und steht im Rampenlicht.“
Und das ist nicht so einfach. „Das Ziel ist es, dass die Zuschauer eben nicht nur Stoff und Holz sehen“, erklärt Silke Technau. Um das zu erreichen, genügt es nicht, eine Figur auf und ab hüpfen zu lassen. Die 50-Jährige, die 1975 gemeinsam mit einer Kommilitonin das Kobalt-Figurentheater gegründete, hat an der Freien Universität Berlin in der Abteilung Puppenspiel studiert. Immer wieder hat sie, wie auch ihr Mann, der seit Januar 2000 bei Kobalt mit von der Partie ist, Workshops belegt, um das Spiel zu perfektionieren. So muss beispielsweise die Akustik trainiert werden. „Wenn ein Kind aus dem Publikum einer Puppe etwas zuruft, dann sehen wir Spieler hinter der Kulisse nicht, wo es sitzt“, sagt sie. „Da muss man ganz genau hinhören können, aus welcher Richtung die Stimme kommt, damit der Kopf der Puppe auch entsprechend reagiert.“
Köpfe schnitzen, Kostüme nähen, die Stimme trainieren, verschiedene Spielweisen einstudieren, das steht auf dem Programm der Figurenspieler. Wichtig ist auch die Beleuchtung. „Denn durch Schattenspiele und den richtigen Einsatz von Lampen verleihen wir den Puppen zusätzlich Leben“, erzählt der 43-jährige gelernte Elektroinstallateur. So erweckt der dicke Doktor Bartolo mit seinen geschnitzten Augen, umgeben von Falten, den Eindruck, dass er verschmitzt blinzelt. Im nächsten Moment - durch eine richtige Bewegung im richtigen Licht - denkt der Zuschauer, die Figur schaue argwöhnisch. „Es ist schon passiert, dass mich nach einer Vorstellung jemand gefragt hat, wie der Holzkopf denn den Mund bewegt hat“, berichtet Schlafke. „Dabei hat diese Figur gar keinen Klappmechanismus im Gesicht.“
Inspiration für ihre Stücke bekommen die beiden Berliner und ihr Team häufig aus Alltagssituationen: Bewegungen von Menschen auf der Straße, Sprüche verschiedenster Passagiere in einer U-Bahn oder auch aus dem Bekanntenkreis. „Leute, die sich pflegen, sind anderen überlegen!“ Diesen Spruch verkündet der Barbier dem Publikum. „Das hat die Großmutter unseres Regisseurs immer gesagt“, lacht Silke Technau. „Das haben wir übernommen.“ Die beiden sind Figurenspieler durch und durch. Und würden - auch wenn man dadurch weder zu Ruhm noch zu Reichtum kommen kann - nichts anderes tun wollen.
Beim Figurentheater-Festival werden noch drei weitere Puppen-Truppen auftreten. Am Samstag, 4. März, gibt es um 15 Uhr den Kinderklassiker „Peter und der Wolf“. Am selben Tag, um 20 Uhr, führt das Figurentheater Gingganz aus Meensen das Drama „Don Carlos, der Infanterist von Spanien“ auf. Und am Sonntag, 5. März, tritt das bulgarische Team „Theatre Two Hands“ mit „Merák“ auf. Kölner Stadt-Anzeiger vom 3. März 2006
http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1141257620632