Presse: vor der Eröffnung
  17. 02.2001
Walzwerk wird Kulturzentrum
Eine Frau und ihr Lebenstraum
Von Marion Pattberg
Pulheim. Sie wirkt erstaunlich gelassen angesichts des wohlgeordneten Chaos um sie herum. 750 Quadratmeter groß ist ihr zukünftiges Reich - direkt am Pulheimer Bahnhof gelegen, in einer Fabrikhalle des stillgelegten Walzwerkes Uebemann. Mecki Claus steht etwas verloren in dem Riesenraum, zwischen Farbtöpfen, Zementsäcken, neuen Fensterrahmen und angesägten Holzplatten. Manchmal, gesteht sie, rauft sie sich die Haare, wenn sie an den 3. März denkt. An diesem Tag nämlich wird das Kulturzentrum Walzwerk offiziell eröffnet: mit Puppenspiel, Ausstellung, Theater und Musikkabarett. Für die Puppenspielerin Mecki Claus das größte Experiment ihres Lebens und die Erfüllung eines Lebenstraums. Ein halbes Jahr ist es erst her, als der Mietvertrag unterschrieben wurde. Dann begannen die Umbauarbeiten der Hallen neben dem Tattoo-Studio im alten Fabrikturm. Die 52-jährige Pulheimerin, Ideengeberin und Initiatorin des Projektes, ist sich bewusst, dass sie das Unternehmen ohne die Unterstützung ihrer Familie und des Eigentümers Rüdiger Schmidt-Holzmann kaum hätte realisieren können. "Aber", sagt sie, "ich hätte mir diesen Klotz nicht ans Bein gehängt, wenn ich das Gefühl hätte, ich stranguliere mich." Nein, sie ist Optimistin und glaubt fest daran, dass bis zum Eröffnungstermin das Foyer mit einer kleinen Bar, die Theaterhalle für 80 Zuschauer, die 430 Quadratmeter große Ausstellungshalle, die Werkstatt- und Lagerräume sowie die sanitären Anlagen fertig sind - auch wenn die Handwerker nur noch wenige Wochen Zeit haben. Die Mutter von drei inzwischen erwachsenen Kindern bezeichnet sich selbst als Glückskind. Sie habe immer die Freiheit gehabt, das ausprobieren zu können, was ihr Spaß gemacht habe. Erst mit 30 Jahren kam sie zum Puppenspiel. Im heimischen Wohnzimmer bastelte sie Puppen, mehr zur eigenen Freude und aus "Lust am Bauen". Als die Puppensammlung immer größer wurde, kam die Idee, mit den Figuren zu spielen. Der Funke sprang über. Mecki Claus ging bei professionellen Puppenspielern in die Schule, belegte Sprechkurse und perfektionierte den Bau von Handfiguren. Und aus der gelernten Versicherungskauffrau und Hausfrau wurde ein Puppenspiel-Profi. Seit elf Jahren geht sie mit eigenen Solostücken auf Tournee, spielt im Horizont-Theater und im Ehrenfelder Künstler-Theater in Köln. Die ersten Requisiten aus ihrer Kölner Werkstatt lagern bereits im Pulheimer Walzwerk. Darunter nicht nur die Stühle für das neue Theater, sondern auch die metergroße Figur Agatha Schmitz, mit der zusammen sich die eher bescheiden auftretende Mecki Claus in ein kölsch schwadronierendes Unikum verwandelt. Auch der Thron aus ihrem neuen Stück "König Schlotterhose" ist bereits umgezogen. Mecki Claus spielt in dieser Eigenproduktion den Hofnarren, wie immer mit einer Figur als Partner, denn "die Figuren können absurder, verrückter, ja surrealistisch sein, eben anders als der Mensch". Als Hofnarr verkörpert die 52-Jährige einen Typus, der es allen recht machen will, dabei aber nur Verwirrung stiftet. Im wirklichen Leben der Mecki Claus wäre für so eine Figur kein Platz. Zielstrebig verwirklicht sie das Haus für Theater, Kunst und Kultur hinter den alten Backsteingemäuern des Walzwerkes, und klar umrissen ist auch das Konzept dafür. Das ganze Jahr über soll hier Kinder-und Jugendtheater angeboten werden. Während der Woche an den Vormittagen Theaterstücke für Kindergärten und Schulen, an den Wochenenden ist Familientheater geplant und einmal in der Woche am Abend Kleinkunst und literarisches Kabarett für Erwachsene. Hinzu kommen mit Unterstützung von Künstlerfreunden Ausstellungen und ein buntes Angebot an kreativen Kursen: Malen, Zeichnen, Bildhauern, Schreibwerkstatt, Töpfern, Literaturkurse - und das alles an 365 Tagen im Jahr. 

Walzwerk:Das Programm zur Eröffnung
Vom Li-La-Launebär bis Bass-Spielereien
Pulheim. Zur Theatertaufe hat Mecki Claus, die Gründerin des "Walzwerks" in der Rommerskirchener Straße 21, für Samstag, 3. März, ein buntes Programm zusammengestellt, in dem die Kinder nicht zu kurz kommen. Das Figurentheater Mimikry präsentiert um 15 Uhr den Figurenspiel-Klassiker für Kinder ab vier Jahren "Urmel aus dem Eis". Anschließend um 16 Uhr wird die Figurentheater-Ausstellung des Verbandes Deutscher Puppentheater eröffnet. Die Theaterfiguren, unter ihnen Herr von Bödefeld und der Li-La-Launebär, sind den ganzen März über zu sehen. Gospel-Songs stimmt der Junge Chor St. Kosmas und Damian um 19.30 Uhr an. Als Schirmherr wird Bürgermeister Karl August Morisse das neue Theater dann offiziell eröffnen. Das Theater Eggs Press verspricht um 20 Uhr mit seiner Farce "Der Bär auf dem Försterball" Theatervergnügen für Kinder ab acht Jahren und Erwachsene. Bass-Spielereien, ein Musikkabarett von und mit Tobias Klug, beschließt die ersten Darbietungskostproben des neuen Kulturzentrums. Für das "Urmel" um 15 Uhr und den "Bären" um 20 Uhr sind Kartenreservierungen erforderlich unter Telefon (0 2238) 9 65 00 20 oder Fax (0 22 38) 96 28 09. 
http://www.rundschau-online.de/erftkreis/1442833.html
http://www.rundschau-online.de/erftkreis/1442836.html 


von Horst Krieger
Pulheim - Walz-Werk, Theater, Kunst und Kultur: Wie passt das zusammen? Das geht, wenn es Industriehallen gibt, die nicht mehr gewerblich genutzt werden. Wie die früheren Produktionsstätten der Firma Uebemann in unmittelbarer Nähe der Bahnstrecke Köln-Mönchengladbach in Pulheim, in denen bis vor etwa zehn Jahren Kalt-Walzstahl hergestellt wurde. Dann muss da noch eine kunstbesessene Frau sein, die für ihr Leben gerne Theater spielt und sich dazu einen Jugendtraum erfüllen möchte. Das gepaart mit einer gehörigen Portion Risikobereitschaft von Mecki Claus und der Mithilfe ihrer Familie, von Freunden und dem Eigentümer-Ehepaar der vor über 100 Jahren gegründeten Firma, haben Pulheim das erste Theater beschert. Am Samstag, 3. März, wird es mit einem umfangreichen Programm eingeweiht. Um 15 Uhr eröffnet das Mimikry-Figurentheater das Festival der Tiere mit "Urmel aus dem Eis". Um 19.30 Uhr singt der "Junge Chor St. Kosmas und Damian" Gospels. Bürgermeister Dr. Karl August Morisse wird das Theater offiziell seiner Bestimmung übergeben. Um 20 Uhr zeigt das Theater EGGS PRESS das Stück "Der Bär auf dem Försterball" für Kinder ab acht Jahren und Erwachsene. Mit Bass-Spielereien von und mit Tobias Klug endet die Premiere (Beginn um 22 Uhr). Schon in ihrer Jugend interessierte sich die gebürtige Kölnerin Mecki Claus für Figuren- und Puppentheater. Sie verschlang die Geschichte von Pole Poppenspäler (Theodor Storm) förmlich. Und in Köln war der Weg zum Hänneschen-Theater auch nicht so weit. Die gelernte Versicherungskauffrau begann 1980 systematisch mit Fortbildungskursen. Sie besuchte Lehrgänge der Landesarbeitsgemeinschaft für Puppenspiel und studierte am Deutschen Forum für Figurentheater. Und entwickelte da schon ihren Stil, der sie ermutigte, vor gut elf Jahren - damals waren ihre drei Kinder groß - ihr Hobby zum Beruf zu machen. Sie gab nicht nur Unterricht im Theaterspielen, sie brachte auch etlichen Pulheimern bei, wie man Puppen baut. Eigentlich wäre ihre Welt in Ordnung gewesen, wenn da nicht der lange Weg zur Werkstatt in Köln-Dellbrück, in der sie Figuren baute und lagerte, gewesen wäre. Im vergangenen Sommer stand sie erstmals in den Hallen der Firma Uebemann, nachdem der Betreiber der Kart-Bahn in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Irgendwann wurden sie und ihr Mann sich mit dem Ehepaar Holzmann, den heutigen Eigentümern, einig. Mecki Claus mietet die große Produktionshalle an, die für Ausstellungen geradezu ideal ist. Am Premierentag wird hier auch eine Ausstellung mit Theaterfiguren gezeigt. Die etwas kleinere Halle daneben soll das Theater aufnehmen -mit Foyer, Umkleiden, Bühne und Sitzplätzen für etwa 80 Besucher. Theater wird nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene gespielt. Zu den laufenden Kosten trägt ein Förderverein bei, der im vergangenen Herbst gegründet wurde.
http://www.ksta.de/erftkreis/1432436.html

Kölner Stadt-Anzeiger vom 7. November 2000

Pulheimer Stadtblatt
vom 9. Dezember 2000