Ein Abend mit einem Hauch Erotik
Chansons, Kabarett und eine „Medidationsmaschine“: Iris Lamouyette bot eine extravagante Show.

VON THOMAS BECKER
Pulheim - Verführerisch liegt sie auf der roten Couch, zupft ihren bauchfreien Leoparden-Dress zurecht. „Ich will mich einen Moment zurückziehen, in meinem Universum bummeln gehen“, haucht sie ins Mikrofon und kündigt dabei ihren Song „Launenlounge“ an: „Die Ruhe ist hier still, das Lächeln offen, und jeder Kuss vereint.“ Während sie singt, streckt Iris Lamouyette ihre Beine aus, die immer länger zu werden scheinen. Sie senkt den Kopf rücklings über die Armlehne.
Wie in dieser Szene durchzog ein Hauch von Erotik das gesamte Programm der in Köln lebenden Künstlerin. Mal gab sich Lamouyette naiv, schwang ihre Hüften zu Disco-Beat, als bewerbe sie sich für „Deutschland sucht den Superstar“, und sang dazu mit piepsender Verona-Feldbusch-Stimme. Dann wieder präsentierte sie sich glamourös am Klavier, mit zerzaustem Dutt als betörende Femme fatale, und schlug Töne an, als begleite sie einen nebulösen Stummfilm der zwanziger Jahre.
Zum Beispiel der „Nymphomaninnen-Song“, eine Eigenkomposition von Lamouyette: Sie werde ihren Ex-Geliebten verlassen, tönt die Sängerin selbstbewusst während der ersten Takte: „Denn wenn ich bei dir bliebe, würde ich was verpassen.“ Während sie peinliche Geheimnisse ihres Ex-Geliebten preisgab, huschte Lamouyette mit beiden Händen über die sieben Oktaven ihres Klaviers, als handele es sich um eine nebensächliche Fingerübung. Spaß machte nicht nur, ihr zuzuhören, sondern auch ihr zuzusehen, wie sie spontan von ihrem Stuhl aufsprang und sich mit runden Augen und roter Mähne dem Publikum zuwandte. Als sei sie vor nicht allzu langer Zeit Bob Fosses Film-Klassiker „Cabaret“ entsprungen.
Musikalisch wagte sich die studierte Sängerin und Pianistin am Samstagabend im „Theater im Walzwerk“ auch in moderne Gefilde vor. Besonders beliebt: Ihre programmierbare Musikbox, die sie „Meditationsmaschine“ taufte. Damit bastelte sie auf der Bühne ihre eigenen Songs: Knopfdruck hier, Knopfdruck da, fertig war der Klangteppich, den sie nutzte, um improvisierte Texte vorzutragen. Besonders stark war Lamouyette allerdings, wenn sie zum Klavier ihre mitten aus dem (Nacht-)Leben gegriffenen Geschichten sang. Eine verpasste Straßenbahn am Kölner Hansaring lieferte ihr dazu ebenso Stoff wie ihr geplündertes Konto.


(KStA) Kölner Stadt-Anzeiger vom 24. April 2006

http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1144673376154