Neue Karriere statt Aufgeben
Sängerin aus Sinthern füllt mit „bitter-süßen Liebesliedern" die Säle
Eigentlich wollte sie an die Oper. Jetzt macht Daniela Bosenius ihr eigenes Programm.
VON SUSANNE NEUMANN
Pulheim-Sinthern
- Die hübsche Frau tritt selbstbewusst auf, ohne arrogant zu wirken. Und Daniela Bosenius hat durchaus Grund, mit sich zufrieden zu sein: Als Mezzosopranistin und Altistin macht sie dieser Tage mit ihrem Potpourri aus „bitter-süßen Liebesliedern" von sich reden. Für dieses Solo-Programm braucht sie keine Anlage und kein Mikrofon. Ihre ausgebildete, ausdrucksvolle Stimme wird am Klavier von ihrer Schwester Stefanie begleitet und füllt auch große Säle wie den Römersaal im Bürgerhaus Hürth.
Seit Anfang 2004 tritt sie im Großraum Köln und in der Schweiz mit „Bitter-süße Liebeslieder" auf. Darin präsentiert sie das Thema Liebe unter verschiedenen musikalischen Gesichtspunkten: Ernsthaftes von Georg Kreisler, Georges Bizet, Robert Schuhmann oder Johannes Brahms mischt sie mit Unterhaltendem von Georges Gershwin, Hildegard Knef oder dem amerikanischen Musical-Komponisten Jerome David Kern. „Ich kann die Leute mit dem Programm abholen und ihnen gleichzeitig etwas Neues zeigen", begeistert sich Bosenius. Ein paar Requisiten peppen ihre Vorträge auf: So hat die Seeräuberjenny aus der Dreigroschenoper als Küchenmädchen gerade noch Gläser mit dem Trockentuch poliert, da wird es auch schon zum Piratenkopftuch und ein Schälmesser zur blutdürstigen Waffe.
Die selbstständige Musikerin, die Bosenius heute ist, wurde sie offiziell erst dieses Jahr. Eigentlich wollte sie an die Oper. Dafür hat die Tochter der Pianistin Monica Bosenius und Enkelin der Gesangsprofessorin Ellen Bosenius an der Hochschule für Musik und Theater des Saarlandes studiert und 1999 mit einem Einser-Examen als Gesangssolistin abgeschlossen. Es folgten private Gesangsstunden, Meisterkurse und Opernstudium in Zürich.
Wie in der Branche üblich, bewarb sie sie sich bei Vermittlungsagenturen. Befristete Engagements für verschiedene Opern-Inszenierungen, außerdem Auftritte bei Konzerten, Liederabenden, Kirchenkonzerten folgten. Doch ein festes Engagement an einer Oper blieb ihr verwehrt. Auch Opernhäuser müssen sparen. „Wenn man durch die Vorsingerei muss, ohne Beziehungen zu haben, ist ein Engagement wie ein Lottogewinn", erzählt Bosenius.
Doch Aufgeben ist nicht ihr Ding. Und darauf warten, dass sich der Markt für Opernsängerinnen erholt, will sie nicht. Sie ist mit Musik groß geworden. Das ist ihr Leben. In Zürich macht sie einen Termin mit einer Berufsberaterin. Im Herbst 2004 beschließt sie, ihre Selbstständigkeit als vielseitige Sängerin zu professionalisieren. Sie gibt sich eine ordentliche Homepage, Briefpapier, Visitenkarten und lässt professionelle Plakate drucken. Pulheim-Sinthern, wo das Haus ihrer Mutter steht, wird zum Ausgangspunkt ihrer neuen Karriere. Sie entwickelt ihre eigenen Programme, die die vielfältigen Möglichkeiten ihrer Stimme integrieren: Oper und Chanson liegen ihr ebenso wie Lieder von Schumann oder Songs von Gershwin. Sie klappert Veranstalter ab, knüpft Kontakte in der Region. Sie ist überzeugt von ihrem Weg. Doch ein bisschen Unsicherheit schwingt mit, wenn sie von ihrer Selbstständigkeit berichtet. Schließlich muss sie auch davon leben können. „Ich habe mir eine Frist gesetzt", gesteht die 31-jährige. „Dann werde ich Resümee ziehen und entscheiden, ob ich so weitermachen kann oder nicht."
Mit ihrem Solo-Programm „Bittersüße Liebeslieder" tritt Daniela Bosenius am Samstag, 26. November, 20 Uhr, im Theater im Walzwerk, Pulheim, Rommerskirchener Straße 21, auf.
Kölner Stadt-Anzeiger vom 25. November 2005