Zehn Jahre Walzwerk
Eine Bühnenchefin mit Kämpfermoral
Von Dieter Wolf, 10.03.11, 07:03h
Mecki Claus hat Grund zum Feiern. Seit zehn Jahren gibt es ihr Theater im Walzwerk, das bedeutet zehn Jahre Pionierarbeit in einer ehemaligen Fabrik und ist der Beweis für ihre Zähigkeit gegenüber manchen Widerständen städtischer Kulturpolitik.
PULHEIM - Mecki Claus hat Grund zum Feiern. Seit zehn Jahren gibt es ihr Theater im Walzwerk, das bedeutet zehn Jahre Pionierarbeit in einer ehemaligen Fabrik und ist der Beweis für ihre Zähigkeit gegenüber manchen Widerständen städtischer Kulturpolitik. Es ist die Erfolgsgeschichte einer Frau mit Kämpfermoral: Im Mai 2000 besichtigte Mecki Claus gemeinsam mit ihrem Mann die ehemalige Betriebshalle im stillgelegten Walzwerk Uebemann in der Absicht, sie zu einem Kinder- und Jugendtheater zu machen.
Es war eher ein Zufall, dass sie dort landete. Ursprünglich suchte sie neue Lager- und Übungsräume für ihr Puppentheater. Bis dato waren sie in Köln-Porz untergebracht. Abgeraten hatten Mecki Claus viele. Und manche reagieren immer noch distanziert, wenn die Sprache aufs Theater im Walzwerk kommt. Dennoch weiß die Theatermacherin: Qualität setzt sich (manchmal) durch. Das triff in jedem Fall auf ihre zu. Zudem sieht sie sich auf einem solidem Weg.
Für die kunstinteressierten Bürger ist das Theater zu einer wichtigen Größe im kulturellen Angebot der Stadt geworden. Am 3. März 2001 fand die erste Kindertheateraufführung im Walzwerk statt. „Urmel aus dem Eis“ gab den Startschuss. Wie gerne hätte die Theatermacherin am Jahrestag dieses dieses denkwürdigen Datums ihr Zehnjähriges gefeiert. „Aber an Weiberfastnacht zur einer Jubiläumsparty einzuladen, geht natürlich nicht. Da musste ich warten, bis der Trubel vorüber ist.“ Nun wird am kommenden Wochenende gefeiert. Viele Wegbegleiter, Förderer und Freunde des Hauses sind geladen.
3000 Veranstaltungen hat Mecki Claus hinter sich und ist immer noch mit Feuer und Flamme dabei, tüftelt beispielsweise bis zum letzten Moment am Festprogramm mit dem Figurentheater Lakupaka, dem Theater Con Curore und dem Theaterhaus Alpenrod von Petra Schuff.
Aber über das Projekt „anspruchsvolles Kindertheater“ darf man die Erwachsenen nicht vergessen. Sind die Wochentage vormittags wie nachmittags für die kleinen Theaterbesucher reserviert, lädt Mecki Claus an den Wochenenden zu einem vielfältigen Programm für erwachsene Zuschauer zwischen Musik und Kabarett ein. Hier genießt sie den Zuspruch und die freundschaftlichen Beziehungen zu vielen Künstlern, die oftmals die Bühne in Pulheim als Karrieresprungbrett oder als Härtetest für eine deutschlandweite Tournee nutzen.
Dabei kommt Mecki Claus nicht einmal aus einer Theaterfamilie. Lange war die heute 62-jährige Kölnerin bei einer Kölner Versicherung tätig. Doch sie wollte lieber Kindertheater machen, zunächst „hobbymäßig“, wie sie sagte, dann immer professioneller. Mit einer soliden Ausbildung beim deutschen Institut für Puppenspiel in Bochum und der Landesarbeitsgemeinschaft für Puppenspiel in Königswinter baute sie ihre künstlerischen Möglichkeiten aus. Sie lernte alles über Schattenspiel, Puppen- und Maskenbau, Bühnenbau bis hin zur Bühnentechnik. „Ich habe so viel gelernt, dass ich 1990 beschloss, meinen Job dranzugeben und nur Theater zu machen.“
Zunächst tingelte sie mit eigenem Programm über die Bühnen im Lande. Als Kölnerin war sie immer auf Köln fixiert, obwohl sie schon seit über 30 Jahren mit ihrer Familie in Pulheim lebt. „Mit der Gründung des Theaters in Pulheim vor zehn Jahren bin ich hier endgültig heimisch geworden, sehe mich nun als echte Pulheimerin.“

KR Rhein-Erft vom 10.03.2011

Puppenspiel
Mit Begeisterung in der Fantasiewelt

Von Maria Machnik, 04.03.11, 17:52h
Vor zehn Jahren hat Mecki Claus das Puppentheater im Walzwerk eröffnet. Bis heute spielt sie mit Leidenschaft ihre eigenen Interpretationen von bekannten Märchen. Pulheim - Mecki Claus ist Geschichtenerzählerin aus Leidenschaft. In der Welt der Märchen geht die Pulheimerin auf. Das zeigt sich schon im Foyer ihres fantasievoll-märchenhaft dekorierten Theaters im Walzwerk, wo die 62-Jährige ihr Publikum gerne selbst begrüßt. Auf der Bühne taucht die Puppenspielerin ab in ihre Fantasiewelt und ist eins mit ihren Puppen. Spätestens dann weiß jeder im Raum: Die Pulheimerin hat ihr Hobby Puppenspielen zum Beruf gemacht. „Das ist ein tolles Geschenk, wer hat das schon“, sagt sie nach 30 Berufsjahren und zehn Jahre nach der Gründung ihres „Theaters im Walzwerk“.
Die Begeisterung für Märchen liegt in der Familie. „Wir sind mit Märchen groß geworden“, ihre Mutter habe ihrer Kinderschar Märchen erzählt, während sie den riesigen Wäscheberg gebügelt habe, sagt das dritte von zwölf Kindern. Ihr Vater habe sogar Stücke geschrieben, die sie und ihre Geschwister dann aufgeführt hätten. In Kostümen, die eine ihrer Tanten genäht habe.
Doch ist es nicht das Märchen in einer eins-zu-eins nacherzählten Version, das Mecki Claus reizt. „Es macht mir unglaublich viel Freude, mir die Geschichten auszudenken.“ Sie habe sich intensiv mit Märcheninterpretationen beschäftigt, weil die Figuren und psychologische Aspekte ihres Handelns sie interessierten, und nicht allein die im Märchen erzählte Handlung. „Ich interpretiere Märchen und forme durch das Spielen die Charaktere“, erklärt die dreifache Mutter und zweifache Großmutter.
Märchen neu interpretiert
Grundsätzlich suche sie sich einen Aspekt, der ihr wichtig erscheine, und der „dann auch für das Spiel entscheidend ist“, sagt sie und nennt das Märchen „Der Forschkönig“. Schon als Kind habe sie sich gefragt, warum der Froschkönig überhaupt ein Frosch sei. „Ich habe immer gedacht »die haben den Anfang nicht erzählt«“. Da die Frage sie so sehr interessiert hat, hat sich die begeisterte Puppenspielerin auf die Suche nach einer Fassung gemacht, die den Anfang des Märchens erzählt. Die Interpretation nach Mecki Claus findet sich nun auf Spielplan des Theaters.
Auch wenn die Begeisterung für Märchen und das Geschichtenerzählen von jeher groß war - erst das Buch „Mein Puppentheater“, das sie von einer ihrer Schwestern bekommen hatte, machte die ehemalige Versicherungsangestellte Mecki Claus auf das Puppenspielen aufmerksam. „Ich habe angefangen, Puppen nachzubauen, habe Dieter Baum vom Figurentheater Sack un' Pack und die Kölner Puppentheaterszene kennengelernt und festgestellt »so geht Puppentheater «“. Mecki Claus war begeistert. Sie ließ sich sich ausbilden, lernte das Handwerk von der Pieke auf und sammelte Spielerfahrung. „Die ersten zehn Jahre waren meine Lehrjahre.“ Mit ihrer Reisebühne, bekannt unter dem Namen „Meckis Puppentheater“ war sie jahrelang bevorzugt im Großraum Köln, Bonn und Aachen unterwegs und gelegentlich bei Festivals.
Am 3. März 2001 eröffnete Mecki Claus, die vor fünf Jahren den Kulturpreis des Rhein-Erft-Kreises erhalten hat, ihr Theater. „Das war die Idee meines Mannes“, sagt sie. Es sei ein Risiko gewesen, aber es habe sich gelohnt. „Das Theater, das einzige feste Haus im Umkreis, finanziert sich selbst, in zehn Jahren hatten wir mehr als 100 000 Zuschauer. Das ist schon was.“ Inzwischen bietet Claus neben ihrer „Kernkompetenz“ Puppentheater für Kinder und Erwachsene ein Abendprogramm mit Kabarettisten und Musikern an. Heute weiß Mecki Claus, dass „es läuft. Ich habe das Gefühl, dass ich das Ganze entspannt angehen kann.“

KSTA Rhein-Erft vom 04.03.2011