Puppen entwickeln Eigenleben  
Von ULRIKE WEINERT, 07.03.09, 07:15h

PULHEIM
. „Wer hätte das gedacht“, staunte Mecki Claus selbst zur Eröffnung des Figurentheaterfestivals für Erwachsene in ihrem Theater im Walzwerk. Die kleine Bühne an der Rommerskirchenerstraße feiert in diesem Jahr achtjähriges Bestehen, und es ist das vierte Mal, dass die Theatergründerin dort ein Figurentheaterfestival für Erwachsene ausrichtet.
„Ja, wer hätte das gedacht, dass sich das Theater im Walzwerk zu einer festen Institution entwickelt“, knüpfte Kulturdezernent Florian Herpel an, den Mecki Claus mit der Bemerkung „Ich nehme das immer persönlich, wenn Sie kommen“ um eine kleine Ansprache gebeten hatte.
Zur Eröffnung des Festivals mit insgesamt fünf Vorstellungen hatte Claus das Hohenloher Figurentheater aus dem Westerwald eingeladen, das bereits bei einem vorausgegangenen Festival erfolgreich mit Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ gastierte. Diesmal boten Harald und Johanna Sperlich das berühmteste Bühnenstück von Carlo Goldoni „Diener zweier Herren“ dar, eine 1746 in Mailand uraufgeführte Komödie im Stil der Commedia dellArte.
Liebende, die nach allerhand Irrungen und Wirrungen zusammenfinden, und Verwechslungen sind in solchen italienischen Komödien der Motor der Handlung. In „Diener zweier Herren“ wird der Edelmann Florindo beschuldigt, den Bruder seiner Liebsten Beatrice getötet zu haben. Er flieht nach Venedig, wohin ihm Beatrice im Gewand ihres Bruders nachfolgt. Ihr immer hungriger Diener Truffaldino, dem im Stück die Harlekinrolle zugedacht ist, tritt dort auch in die Dienste Florindos und muss nun alles daransetzen, ein Zusammentreffen der beiden zu verhindern. Solches Unterfangen bringt natürlich manch witzige Kapriole hervor.
Harald und Johanna Sperlich spielen die Komödie mit etwas über kniehohen Fadenmarionetten. Als Puppenspieler sind sie selbst ständig auf der Bühne zu sehen. Spielebenen sind die Arkaden eines Hauses und einer Taverne und auf der Piazza vor einem Canale. Obwohl die Marionetten ihre Mimik nicht verändern können, außer Truffaldino, dessen Augen rollen, wenn es brenzlig wird, verleihen sie den Figuren eine faszinierende Lebendigkeit.
Gelegentlich beziehen die Marionetten ihre Spieler sogar ins Geschehen ein, erteilen ihnen Aufträge oder die Figur der Clarice weint sich am Bein der Puppenspielerin aus, weil ihr Vater sie mit einem anderen als dem geliebten Silvio vermählen will.
Nach diesem furiosen Auftakt amüsierte das Theater auf der Zitadelle am Freitagabend mit Loriot-Sketchen. Noch Karten gibt es für die Vorstellung heute Abend um 20 Uhr von „Don Camillo und Peppone“ des Dornerei-Theaters. Die beiden Vorstellungen für Kinder von „Petterson und Findus“ am Sonntag sind ausverkauft.