Oper in bekömmlichen Happen
Theater im Walzwerk zeigte Bizets "Carmen" als "Light"- Version
Von HANNA STYRIE
PULHEIM. Leichter Genuss, volles Vergnügen - das versprechen die Sopranistin Franziska Dannheim und die koreanische Pianistin JeongMin Kim bei ihren publikumsfreundlich abgespeckten Bearbeitungen berühmter Opern. Nach "Don Giovanni", "Der Freischütz" und "Hoffmanns Erzählungen" folgte nun mit "Carmen" der vierte Streich.
Im intimen Rahmen des Walzwerk-Theaters konnte sich die "Light"-Version der dramatischen Geschichte um Liebe und Leidenschaft glutvoll entfalten. Getreu dem Motto "Eine Oper, eine Stimme, ein Klavier" präsentierte das Duo im Schnelldurchgang die Essenz des Werks von George Bizet. Was nicht bedeutete, dass sich die Zuhörer bei der "Oper legere" in Verzicht üben mussten, denn die Damen bewältigten ihre Mammutaufgaben mit Können und hinreißendem Charme.
Der temperamentvollen Franziska Dannheim war die Rolle des heißkalten "Elementargeschöpfs" Carmen auf den Leib geschrieben, wie man an dem Abend hören konnte, als sie etwa mit leichter, lockender Stimme die Habanera zum Besten gab.
Darüber hinaus aber bewährte sie sich auch in den Pracht-Arien, die der Komponist für Micaela, Don Jose und Escamillo geschrieben hat, und selbst vor einem Quintett schreckte sie nicht zurück. Jeong-Min Kim sorgte dabei für eine so kraftvoll-leidenschaftliche Begleitung, dass sich das Orchester leicht verschmerzen ließ.
Dannheim hat die große Oper in leicht bekömmliche Häppchen zerlegt und sang und plauderte sich locker und unterhaltsam durch den Abend. Lehrreich waren die biographiscben Details aus dem Leben des Komponisten; für Amüsement sorgten ihre augenzwinkernden Anmerkungen zu den handelnden Personen. Am schlechtesten kommt dabei der Torero Escamillo weg, ein "schmieriger, öliger Gewinnertyp" , der nur sich selbst liebt.
Dass der unglückselige Liebesreigen nicht in ein HappyEnd mündete, versteht sich fast von selbst. Dennoch ging man beschwingt nach Hause, weil die umwerfenden Melodien noch lange im Ohr blieben.
Franziska Dannheim und Jeong-Min Kim haben das dreieinhalbstündige Opus auf knapp 120 Minuten eingedampft. Manch einem mag das genügen. Noch besser aber wäre es, wenn das Duo die Lust geweckt hätte, sich einmal die komplette "Carmen" an zuhören.

Kölnische Rundschau Rhein-Erft vom 14.02.2011