oben: Rundschau Rhein-Erft-Kreis vom 16.10.2006

rechts: Kölner Stadt-Anzeiger vom 17.10.2006

 

vom 16.10.2006
vom 17.10.2006

Schöner Reisen mit A. Hauffe
Sein Reiseverhinderungsprogramm stellte der Kabarettist im Walzwerk vor
von DIETER WOLF

PULHEIM. Andreas Hauffe meint es durchaus gut mit der deutschen Bevölkerung. Er möchte seine Landsleute vor allem vor unnötigen Urlaubsreisen bewahren. Das Geld soll im Lande bleiben. Außerdem: Allerorten drohen den deutschen Reisenden Gefahren. Tsunami, Hurrikans, Verkehrsunfälle, Flugzeugkatastrophen oder terroristische Anschläge fordern unzählige Menschenleben.
„Doch trotz intensiver Bemühungen diverser Terroror­ganisationen ist die Reiselust der. Deutschen ungebrochen", sagt er. In „Hiergeblieben! - Das Reiseverhinderungsprogramm" geht Kabarettist Andreas Hauffe in die Vollen, doch wohl wissend, dass es zwecklos ist, dieses Land zu retten.
Nicht zimperlich ist Hauffe dabei in der Wahl seiner Argumente, den Deutschen die Reiselust zu vermiesen. Genüsslich schilderte er deshalb detailliert Auffahrunfälle und Flugzeugabstürze. Doch ob es dem Kabarettisten wenigstens am letzten Freitagabend bei seinem Premiereprogramm im „Theater im Walzwerk" gelungen ist, scheint indes mehr fraglich.
Dennoch hatten die Zuschauer ihren Spaß. Gelacht wurde viel und heftig. Zwischenrufe aus dem Publikum waren nicht selten. Zu komisch waren die kleinen Attacken gegen die Verschwendung von jährlich 59 Milliarden Euro für Reisen. Selbst das mysteriöse Verschwinden von 30 000 Koffern pro Jahr wirke nicht abschreckend, beklagte Hauffe.
Roter Faden im „Reiseverhinderungsprogramm" war Hauffes inszeniertes Warten auf sei­nen Verleger, der sein Buch veröffentlichen wollte. Ihm zuliebe trank der Biertrinker Hauffe sogar Rotwein. „Alle Schriftsteller trinken Rotwein, sagt meine Frau." Und weil das Warten andauerte, vertrieb er sich die Zeit damit, dem Publikum schon mal ein paar Kapitel aus seinem Buch zu gönnen.
Dabei ging es meist nur mittelbar ums Verreisen. Anekdoten über „Opa Hanns mit zwei N", über das Aussetzen von Haustieren und Kleinkindern, über die Stadt Bielefeld und über Musik hinderten Hauffe nicht, immer wieder um ein paar Ecken zurück zu seinem geliebten Reisethema zu finden. So las er über die Liebe zur seiner Spülmaschine und bekannte, dass er sie sogar mit in seinen Urlaub nach Mallorca nehme. Dazu gab er noch selbstverfasste, meist schlüpfrige Limericks zum besten.
Apropos Musik: Hauffe sang auch, und das nicht wenig. „Wir bleiben hier und gucken fern" war eines seiner „Ohrwürmer", wie er sie nannte. In ihnen reimte Andreas Hauffe auch die Hoffnung, dass vielleicht immer mehr Menschen im Lande bleiben, auch notgedrungen: „Danke für Hartz VI, wir bleiben hier und gucken nur fern."

Die Last mit der Reiselust
Unterhaltsamer Abend im Walzwerk

Mit teils makaberen Anekdoten versucht der Kabarettist Andreas Hauffe, sein Publikum von Urlaubsreisen abzuhalten.
VON BRITTA HAVLICEK

Pulheim - Mit gehetztem Blick kam Andreas Hauffe auf die Bühne. Und sofort legte er mit einem Schwall von Beschwerden los: Seine Frau wolle, dass er sich kleide wie ein Schriftsteller. Er müsse daher auch Rotwein trinken, weil es eben Schriftsteller so tun. Vom Aufnähen von Lederflicken an der Ellbogenpartie seines Sakkos hatte er seine Gattin offenbar abbringen können. So stand der Mann also in orangener Cordjacke, knittrigem Hemd und karierter Hose vor seinem Publikum im Pulheimer Walzwerk und orderte bei der Theaterbetreiberin Mecki Claus entnervt ein Glas Rotwein.
Der Remagener Kabarettist gastierte am Freitagabend mit seinem neuen Programm „Hiergeblieben!" im Walzwerk. Als Hobbyschriftsteller wartete er dort auf einen Verleger und gab Kostproben seines Schreibens - natürlich nicht ohne immer wieder abzuschweifen.
Keim aller Probleme
Sein Manuskript und damit auch sein Groll richteten sich gegen die Millionen Deutschen, die jährlich, wie Hauffe mit entrüstetem Gesichtsausdruck berichtete, „59 Milliarden Büro im Ausland lassen. Ja, sind die denn bekoppt?!" Mit der Reiselust der Deutschen hat Hauffe auch den Keim sämtlicher Probleme im Land herausgefunden: „Wenn die alle mal zwei Jahre lang zu Hause bleiben würden, dann würde jetzt nicht die Mehrwertsteuer erhöht."
Verreisen bedeutet ausschließlich Stress, und der fängt schon beim Versorgen der Haustiere an. „Kanarienvögel kann man ja einfach fliegen lassen, Goldfische das Klo runterspülen", behauptete Hauffe. Aber wenn man Katzen oder Hunde auf Rastplätzen aussetzt und nicht richtig anbindet, „dann kann man Pech haben, dass sie sich losreißen. Dann hat man bei der nächsten Reise dasselbe Problem."
Wie sich ein Passagier fühlt, dessen Flugzeug abstürzt oder der in einem türkischen Transferbus ohne Bremsen sitzt, stellte Hauffe zum Vergnügen der Zuschauer sehr anschaulich dar. Und andere Katastrophen ließ er als Abschreckungsmittel nicht aus: „Tsunami, Hurrikans, ganze Terroristengruppen, die in Hochhäuser fliegen..."
Makaber, ironisch und mit einer gehörigen Portion Augenzwinkern setzte sich der Comedian in Szene. Und dann griff er zur Gitarre und forderte singend die Zuschauer auf: „Hiergeblieben und nicht rumgetrieben!"
Ein besonderes Schmankerl waren die Limericks, die Hauffe mit Städtenamen kreierte - als vermeintlicher Beifahrer in einem Auto, das eine Frau in Schneckentempo bewegt. „Ein Kannibale aus Essen/ behandelt seine Frau angemessen:/ in der Wanne ertränkt,/ in der Pfanne geschwenkt/ - und die Sache war gegessen!"
Ob Hauffe sein Pulheimer Publikum tatsächlich davon überzeugen konnte, nie wieder ins Ausland zu verreisen und daheim zu bleiben, ist zu bezweifeln. Tatsache ist aber, dass er es mit seinem Humor und seinem witzig-charmanten Auftreten schaffte, das Publikum über eineinhalb Stunden mit einer äußerst lustigen und unterhaltsamen Show auf Trab zu halten.