Rundschau Rhein-Erft-Kreis vom 10.01.2006


Kölner Stadt-Anzeiger vom 11.01.2006

Königlicher Auftritt mit Schelmenpose
VON OLIVER MEHLICH, 11.01.06, 07:13h
Pulheim - Sie ist „zu Höherem geboren“. Die Kabarettistin Angela Fischer springt, schlendert und tanzt in ihrem gleichnamigen Programm über die Bühne, plaudert in schelmischem Ton über Mädels, deren Tätowierungen aus der Hose rausgucken, und zitiert Gedichte von Lyrikgrößen.
Ob sie nun die tätowierten Mädels über einen vermeintlichen Kinderwunsch reden lässt, der in einem Talkshowauftritt gipfelt, oder die alljährliche Jungfrauenzeremonie des Königs von Swasiland ironisch kritisiert: Die Kabarettistin zeigt in dem 90-minütigen Soloprogramm, dass sie ihr Fach beherrscht. „Ich habe mir überlegt, was ich wirklich mal auf der Bühne sagen möchte. Das Programm ist ein Geschenk an mich selbst“, sagt die 47-Jährige. Sie verbindet Alltagsanekdoten mit Lyrik von Goethe, Schiller, Heine: „Das Rezitieren ist eine Leidenschaft von mir, und da ich drei fast erwachsene Kinder habe, bin ich nah am Alltagsleben“, erklärt sie. In selbst geschneiderter Robe nimmt sie die Bühne ein und schlägt vor, die Monarchie wieder einzuführen - mit ihr als Königin.
Das Publikum wird immer wieder einbezogen: Wenn die Dame das Taschentuch aus dem Ärmel fischt und sich theatralisch die Tränen trocknet, hagelt es Beileidsbekundungen. Das Konzept geht im Pulheimer Walzwerk auf - die rund 50 Zuschauer waren begeistert von der Künstlerin, die mit ihrer Stimme sogar die am Walzwerk vorbeifahrenden Bahnen im Griff hatte: „Ich finde die experimentelle Verbindung von Lyrik und Alltagsleben weitestgehend gelungen. Den Hut ziehe ich vor der Eigenleistung, dieses Programm auf die Beine zustellen“, meint Jürgen Röhrig, der die Künstlerin bereits aus zwei früheren Soloprojekten kennt. „Um im Walzwerk aufzutreten, braucht man eben Qualität.“ Die Chefin des Theaters, Mecki Claus, hat ein unbarmherziges Auswahlprinzip: „Wen ich selbst nicht gesehen habe, der kommt nicht auf die Bühne.“ Auch Angela Fischer, die mit Willy Millowitsch im Volkstheater gespielt hat und im Düsseldorfer Kom(m)ödchen Ensemblemitglied war, musste „vorsprechen“.
Einen eleganten Schlusspunkt findet die ehemalige Klassenkameradin von Harald Schmidt mit dem Lieblingsgedicht über ihren fiktiven Traumprinzen: „Der Mann von fünfzig Jahren“ von Hermann Hesse. Während der teure Luxuswagen und die finanziell abgesicherte Zukunft vor der Tür auf die gealterte Königin warten, rezitiert sie das Gedicht. Und ihr wird die Absicht ihres in die Jahre gekommenen Traumprinzen klar, der sich wünscht, vor seinem Ableben noch ein „Junges Ding“ zu verführen. So wird sie am Ende nicht geliebt, sondern gekauft: „Ich finde, die neue junge Generation wird ebenso gekauft. Wir stecken in jeden sozialpädagogischen Faktor Geld rein, kaufen Hilfe und vergessen dabei wahre Zuneigung.“ (KStA)
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Königin sucht 3D-Kreditkarte

PULHEIM. Ein wahrhaft königliches Vergnügen will Mecki Claus ihrem Publikum im Walzwerktheater gleich zum Auftakt der neuen Spielsaison bereiten. Hat uns das wahre Leben schon Kanzlerin Angela beschert, so wird uns am 7. Januar eine Gleichnamige als Königliche Hoheit von der Bühne herab grüßen. Die Angela freilich, die huldvoll ihre Untertanen im Walzwerk beglückt, spricht ihren edlen Vornamen in der Mitte weicher aus. Die Robe Ihrer Majestät glänzt altrosa, die blonden Haare sind kunstvoll frisiert, Perlen schmücken die „zu Höherem Geborene“. Da möchte man doch die Frage dieser prunkvollen Erscheinung „Ist Deutschland reif für die Monarchie?“ glatt mit einem Ja beantworten.

Die Schauspielerin Angela Fischer ist es, die im Walzwerktheater verkünden wird: „Ich will Eure Königin sein“, und eine 90-minütige Werbekampagne lanciert, um den passenden Mann fürs Königinnensein zu finden. Das muss, und da hat sie die raue Wirklichkeit wieder, vor allem einer sein, der das adelige Amüsement bezahlt und obendrein bereit ist, den schmucken Prinzgemahl an ihrer Seite zu geben, kurz: Angela Fischer sucht die „dreidimensionale Kreditkarte in maßgeschneiderten Schuhen“.

Nebenbei erschafft die Fischer für die Deutschlandpremiere ihres dritten Soloprogramms noch ein neues Genre: das „LyriKabarett“. Denn es sind rund ein Dutzend Gedichte von Goethe über Rilke bis Ringelnatz, die in diesem Spiel mit Menschheitsträumen Verwertung finden.

„Knallzarte Männerkulturen“ werden außerdem im Januar blühen, erotische Lieder den Zuhörern ans Mieder gehen, eine Putzfrau wird singen, und Chansons werden frisch aufgelegt. Martin Sommerhoff verpasst Verliebten dann im Februar eine Frischzellenkur, Dagmar Schönleber breitet Schönes auf der Bühne aus, und für halbes Wissen soll voll gezahlt werden.

Für Anfang März sind dann alle Kleinkunstliebhaber eingeladen, mit Mecki Claus den fünften Geburtstag ihres Theaters zu feiern. „Wir leisten uns ein Figurentheater-Festival für Erwachsene, und das verdient Aufmerksamkeit“, schwärmt Mecki Claus, die selbst Puppenspielerin ist. Wegbringen will sie das Figurentheater vom „Ruch des Kasperle für Kinder und der Augsburger Puppenkiste“.

Nach dem „Barbier von Sevilla“ und „Don Carlos“ steht für den 5. März ein ungewöhnliches Schauspiel ins Haus. „Merak“ heißt das Spiel von Liebe, Lust und Leidenschaft - alle drei Begriffe sind in dem kurzen bulgarischen Wort vereint. Das Ehepaar Maya und Vassil Svechtarov bildet das „Two Hands Theatre“, das sich einer lautmalerischen Kunstsprache und der Musik bedient, um die Kraft seiner Ausdrucksmöglichkeiten zu unterstreichen. Aus einem Netztuch entstehen spielerisch immer neue Formen, aus einer Socke viele Gesichter. Vassil Svechtarov war Mecki Claus Lehrer, lehrte sie, Puppen zu eigenem Leben zu erwecken.

Nach dem Figurentheaterfestival folgen im Abendprogramm noch Shakespeare, wie er liebt und hasst auf Englisch, skurrile „Lapsuslieder“, ein Kurkonzert von Coco Camelle und zum Abschluss des ersten Jahresquartals im Walzwerktheater weibliche Mythen von Marlene bis Marilyn, serviert von Diseuse Silvia Brecko.

Zum fünften Geburtstag ein Festival

Eine Kabarettistin mit monarchistischen Ambitionen und ein Figurentheater-Festival für Erwachsene sind die Highlights des kommenden Programms im Walzwerk.

Pulheim - Wenn doch bloß jemand käme, der in Deutschland den Karren aus dem Sumpf ziehen würde, auf kluge Weise, streng, aber natürlich friedlich. Das haben sich sicher schon viele gedacht - so auch die Kabarettistin Angela Fischer. Und die bietet sich nun an, und zwar als künftige Monarchin. „Zu Höherem geboren“ heißt ihr neues Programm. „Ist Deutschland reif für die Monarchie?“ Fischer findet: „Ja“, gibt sich entsprechend streng, gleichzeitig humorvoll und liebenswert. Aber es geht ihr nicht ums bloße Regieren, sondern auch um hübsche Kleider und einen geeigneten Mann. Um den Ernst ihres Anliegens zu unterstreichen, rezitiert sie Gedichte.

Mit der Premiere der königlichen Show von Angela Fischer am Samstag, 7. Januar, 20 Uhr, startet das Theater im Walzwerk in Pulheim das Programm im neuen Jahr. Anlässlich des fünften Geburtstags des Walzwerk-Theaters präsentiert Initiatorin Mecki Claus Anfang März ein Figurentheater-Festival für Erwachsene. Sowohl „Der Barbier von Sevilla“ (Donnerstag, 2. März, 20 Uhr) als auch „Don Carlos, der Infanterist“ (Samstag, 4. März, 20 Uhr) statten als Puppen dem Walzwerk einen Besuch ab. Ein Highlight soll der Auftritt der bulgarischen Gruppe „Two Hands Theater“ am 5. März werden. Ohne Worte, dafür mit Lauten und Musik und mit einfallsreicher Szenerie, geht es an dem Abend um Liebe, Lust und Leidenschaft - auf bulgarisch heißt das „Merak“.

Bis zu dem Figurentheater-Festival gibt es im Abendprogramm des Walzwerks aber noch einiges zu sehen: Das Kölner Kabaretttrio „Männerkulturen“ wird sich am Freitag, 13. Januar, 20 Uhr unter dem Motto „Knallzart“ mit Themen wie Schnäppchenjagd, Kuscheln und Platzpatronen beschäftigen. „Lieder, die ans Mieder geh'n“ bietet Ariane von dem Bussche am Samstag, 14. Januar, 20 Uhr. Im Februar stehen unter anderem der Kabarettist Martin Sommerhoff mit seiner „Frischzellenkur für Verliebte“ (Samstag, 4. Februar, 20 Uhr) und die Kabarettistin Dagmar Schönleber („Schönes Leben“, Samstag, 11. Februar, 20 Uhr) auf der Bühne.

Jedes Wochenende gibt es mindestens eine Vorführung für Erwachsene.

Foto u. Text: © KSTA

ERSTELLT 08.12.05, 07:15h ERSTELLT 07.12.05, 07:13h