Erotische Lieder, die ans Mieder geh´n
Ariane von dem Bussche sang im Walzwerktheater Chansons aus den 20er und 30er Jahren
von ULRIKE WEINERT
PULHEIM. Sie ist Kölnerin mit Berliner Schnauze: Ariane von dem Bussche sang und verkörperte erstmals im Walzwerktheater freche erotische Chansons der 20er und 30er Jahre.
„Lieder, die ans Mieder geh'n" heißt das frisch-frivole Bühnenprogramm. Das Publikum, mittleren Alters, genoss sichtlich die unterhaltsame Darbietung. Ein leises Raunen ging bereits durch die Reihen, als die Chansondiva erschien. Denn verblüffend ist die Ähnlichkeit mit Marlene Dietrich.
Doch mehr noch als Diva ist Ariane von dem Bussche Dame der alten Schule, kesse  Göre, Quasselstrippe und schmollende Naive. Steffen Paesler begleitet am Piano die Geschichten aus dem Leben ihrer starken Frauenfiguren auf der ewigen Suche nach dem Richtigen.
Einmal in die Suppe hauen in vornehmer Gesellschaft möchte die Dame im feuerroten Mieder oder auf der Suche nach „Schärfen für die Nerven" mit Reißzwecken gurgeln und Kakteen küssen. Dann wieder verliest sie aus einem hinterlassenen Brief einer Urahnin das Geständnis, mit dem Cousin im Wald „Mäuschen" gespielt zu haben. Artig bedankt sie sich beim Publikum für den Applaus mit einem Knicks. Als „Gretchen" mit weizenblonden Zöpfen träumt von der Filmkarriere, denn sie ist ja „fürs Höhere geboren". Als ehrbare Dirne wiederum klagt sie über das schlechte Geschäft, seit die Freier lieber im Internet surfen.
„An der Fontäne", da trifft sie drei Kapitäne, und die tragen „Degen aus dem Zeughaus der Natur". In der Rolle von Friedrich Holländers berüchtigter Kleptomanin lässt sie Lagerfeld-Parfüm bei H&M mitgehen, macht sogar lange Finger nach dem Instrument ihres Pianisten. Im nächsten Moment fragt sie: .Warum soll er nich mit ihr konditern geh'n", hat sie doch in der Selbstfindungstherapie erfahren, dass sie die wahre Claudia Schiffer ist.
Auch Gassenhauer von Claire Waldoff stehen der Bussche gut. „Er heißt Waldemar und hat schwarzes Haar" verkündet sie fröhlich. Aber Schluss ist mit lustig, wenn sie an Freundin Jasmin denkt, die sich schön operieren ließ. „Ick lass' mir meine Neese nich verpatzen wegen Emil seiner unanständigen Lust" weigerten sich schon die starken Frauen vor 80 Jahren.
Im intimen Theaterraum des Walzwerktheaters trafen die immergrünen Chansons mit den raffiniert hintergründigen Texten ins Herz. Ariane von dem Bussche machte Lust, einmal selbst wieder ins pralle Leben zu greifen.
Kölnische Rundschau vom 17. Januar 2005