Sie lässt gern die Puppen tanzen
Mecki Claus erwartet heute den 50.000 Besucher im Walzwerk
Die persönliche Atmosphäre bindet viele Besucher an das kleine Theater.

VON BRITTA HAVLICEK
Pulheim
- Eigentlich sollte das Walzwerk nur eine Puppenwerkstatt werden: Mecki Claus - seit 25 Jahren spielt sie Figurentheater - wollte mit ihren Puppen und dem Zubehör von Köln-Dellbrück in ihren Wohnort Pulheim in das stillgelegte Fabrikgebäude hinter dem Bahnhof ziehen. „Aber als ich die großen Räume hier sah, dachte ich mir: »Da kann ich auch direkt ein Theater draus machen«.“ Nebenan gibt es eine Veranstaltungshalle, ein Weinlokal, ein Café, sogar ein Möbelladen und ein Tätowierstudio wurden eröffnet. Im Frühjahr 2001 setzte die Künstlerin die Idee eines eigenen Theaters um, mietete die Räume. Schnell gründete sich ein Förderverein. Heute Abend erwartet sie in der Vorstellung der englischen Komödie „Der Messias“ um 20 Uhr den 50 000. Besucher.
„In einem kleinen Theater wie dem Walzwerk darf kein Besucher unzufrieden sein“, ist Mecki Claus' oberstes Gebot. Die Besucherzahlen zeigen, dass sich das Walzwerk-Programm im Kulturangebot des Kreises etabliert hat. Ein Drittel der Besucher nimmt den Weg von Köln, sogar vom Bergischen Land auf sich, um hierhin zu kommen. Um ihre Gäste zufriedenzustellen, kümmert sich Mecki Claus selber um alles: die Dekoration, die Stückauswahl, die Gästebetreuung.
Gästebuch
Warme Farben empfangen den Besucher in dem Vorraum des Industriegebäudes. Ein aus Samt genähter Baum rankt an einer der Wände empor, vorbei an einem antiken Schreibpult, auf dem das Gästebuch liegt. Dort tragen sich die Besucher ein, werden dann regelmäßig von Mecki Claus über neue Vorführungen informiert. Eine Holztreppe führt auf eine Empore, von dort aus linsen einige von Claus' selbst gemachten Theaterpuppen auf die Besucher herab. Frech guckende Puppen hocken auch in einem windschiefen Holzregal am Boden, verschiedene Masken zieren die Flurwand, wo es zum Vorführraum geht. Dort müssen die Besucher auch einen kunstvoll geschwungenen Torbogen aus Styropor passieren.
In diesem liebevoll gestalteten Ambiente - fantasievoll und schnuckelig - herrscht stets eine persönliche und private Atmosphäre: An der kleinen Theke empfangen Mecki Claus und gelegentlich auch ihr Mann Wilfried die Besucher, heißen sie zum Teil schon mit Namen willkommen, plaudern, lachen. Dort verweilen die Besucher auch nach den Vorstellungen, denn zur Theke kommen auch die Künstler, um sich mit den Zuschauern zu unterhalten. Claus: „Das ist der Vorteil eines kleinen Theaters. Hier stürmen die Künstler nach der Vorführung nicht in die Garderobe und die Besucher nach Hause.“
Für ein abwechslungsreiches Programm, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene, sorgt Mecki Claus außerdem: mit politischem Kabarett über Komödien, literarischen Stücken, mitreißenden Gesangsshows. Für Claus ist dabei das Wichtigste, „dass die Qualität einer Aufführung stimmt“. Daher schaut sie sich, bevor ein Künstler im Walzwerk auftritt, die Show vorher an. Für die Hälfte des Kinderprogramms sorgt Mecki Claus selber, führt immer noch eigene Stücke auf, wie ihr kommendes Puppen-Weihnachtsstück „Jaromirs wilde Weihnacht“.

Kölner Stadt-Anzeiger vom 25. November 2005
http://www.ksta.de/html/artikel/1132657883715.shtml